Zyklen: Die Frau.

Der Spiegel. Steht dort in der Ecke. Die Frau schleicht sich wie ein Löwe an seine Beute, langsam, fast tänzelnd, in seine Nähe. Räumt hier, räumt dort. Legt Kleidungsstück für Kleidungsstück ab. Geht aus dem Zimmer, hält inne, dreht den Kopf: der Feind schaut sie an. So muss sie zurückgehen, nackt, verwundbar, wütend.

Lange hält sie die Augen geschlossen, streicht mit den Händen über die verwundbaren Stellen. Blinzelt. Öffnet erst das eine, dann das andere Auge. Starrt, kneift, bückt, streckt, zieht ein. Dann nimmt sie die Schere. Schneidet links und rechts, schneidet und schneidet, bis der Spiegel blutverschmiert ist.

Sie steht aufrecht. Gierig leckt sie das Blut von den Händen. Küsst die Bilder des Feindes, die sie weiterhin anstarren. So nah war sie ihnen selten. Streichelt die fremden Körper auf Hochglanzfotos, bevor sie auch diese mit der Schere zerstückelt. Sie muss sich setzen, dann legen, dann stirbt das Selbstbild.

Als sie aufwacht, lieg sie zwischen Körperteilen. Nackte Arme, Beine, Brüste, Bäuche, Schultern, Köpfe. Sie klebt auf, setzt zusammen, zerreisst, wieder von vorn. Ein endloser Zyklus. Oben ein Arm, unten der Kopf, in der Mitte ein Bein, links der Bauch, rechts die Schultern. Das ist Glück.

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